Seit 36 Jahren stellt sich der DPV den Herausforderungen eines Berufsverbandes, um Journalisten in nahezu allen Bereichen ihrer Tätigkeit zu unterstützen. Die Chronik zeigt einige Stationen der Arbeit und des Engagements einer der größten Medienorganisationen Deutschlands. TEIL 1
„ABC-Verein 1 x klingeln, XYZ-Firma 2x klingeln, Verlegerverband 3x klingeln“. So oder ähnlich stand es am Eingang zu dem Bürogebäude in der Straße Schaartor 1 in Hamburg, in dem sich mancher Journalist seinen Presseausweis ausstellen ließ. Trotzdem dachte man, hier auf einen kompetenten Ansprechpartner in allen Fragen rund um die Medien zu treffen. Pustekuchen. Nicht die einfachsten Sachverhalte konnten von der bedauernswerten Mitarbeiterin beantwortet werden, deren Tätigkeit für den Verlegerverband sich offensichtlich auf das Abstempeln der Pressekarte beschränkte und die gleichzeitig mehrere branchenfremde Institutionen verwalten musste. Im Sommer 1989 beschlossen mehrere Journalisten und Verleger: das geht besser. So gründeten sie in Anlehnung an den Deutschen Presseverband von 1948 die gleichnamige Medienorganisation Deutscher Presseverband e. V.
Die Nachwirkungen des Mauerfalls erlebte der heutige Vorsitzende Zarm 1990 als Jungredakteur im Axel Springer Haus mit. Eine spannende Zeit, in der plötzlich und unangekündigt der Bundespräsident in der Redaktion stehen konnte. Die DDR-Regionalausgaben wurden improvisiert und den Zeitungsverkäufern trotzdem aus den Händen gerissen. Der DPV wird im April beim Registergericht eingetragen und sucht sich ein kleines Büro, um seinen wenigen Dutzend Mitgliedern eine professionelle Anlaufstelle zu bieten.
Da sich das Kürzel „DPV“ bereits etabliert hat, ergänzt und verdeutlicht der Verband 1992 seine Bezeichnung. Fortan heißt er DPV Deutscher Presse Verband e. V.
ist das 12 Quadratmeter „große“ Mini-Kontor auf das Gelände der Elbschloss-Brauerei in Hamburg umgezogen. Das Engagement und das Leistungsportfolio des Verbandes konzentrieren sich inzwischen ganz auf die Berufsgruppe Journalisten. Die Entscheidung, als Berufsverband ein klares Profil zu zeigen und die angeschlossenen Verlage auszuschließen, fiel trotzdem schwer. Schließlich trugen die größeren Medienhäuser mit einem Mitgliedsbeitrag, welcher um ein Vielfaches über dem eines einzelnen Mitglieds lag, zur Leistungsfähigkeit des Verbandes bei.
Inzwischen haben über 300 Medienschaffende zum DPV gefunden. Am jetzigen Standort Stresemannstraße 375 in Hamburg-Altona wird 1994 in einer Bürogemeinschaft ein kleiner Zusatzraum angemietet, denn ein Umzug aus den bisherigen Räumlichkeiten ist absehbar. Im selben Jahr wird die komplette Geschäftsstelle auf den Medienhof verlegt und erweitert.
Aus dem Tätigkeitsbericht von 1995 (teilweise gekürzt): „Der DPV konnte in diesem Jahr wieder zahlreichen Mitgliedern sowie „externen“ Hilfesuchenden bei der Lösung vieler Probleme helfen … So gingen eine große Anzahl von Anfragen per Telefon, Telefax oder postalisch ein. Diese betrafen den Wunsch nach Beantwortung spezieller Fragen aus dem journalistischen Bereich, die Vermittlung von Kontakten und Anschriften aus dem Pressebereich und rechtliche Hilfe. Es konnte bei der Beilegung von Hausverboten … ebenso geholfen werden…Dieses geschah durch … fachkompetente Personen aus vielen Bereichen des Pressewesens … Dank der Erfahrung unserer Mitarbeiter in der Geschäftsstelle konnte bei der Bewältigung vieler Dinge sofort reagiert werden …“ Bis heute zieht es sich wie ein roter Faden durch die Entscheidungen des Verbandes: wo und wie Journalisten unterstützt werden, wird nicht am „grünen Tisch entschieden“ – das ganze DPV- und bdfj-Team hört in seiner täglichen Arbeit auf die Bedürfnisse der Medienmacher.
Der Informationsbedarf steigt, der erste Internetauftritt wird freigeschaltet. Für die toten Links „Achtung Baustelle“ müsste man sich heute noch schämen… Aber der Einsatz für die Sache der Journalisten wird honoriert, die Mitgliederzahlen wachsen stark an. Und der DPV setzt sich in einem Rechtsstreit durch: nach aufwendiger Prüfung durch die zuständigen Gerichte darf er offiziell Presseausweise ausstellen. Die rechtskräftige Entscheidung ging mit einer detaillierten Untersuchung des Ausstellungsprozedere und der Zusammensetzung der Mitgliedschaft einher. Wird tatsächlich nur an Journalisten ausgestellt, wie wird geprüft? Der Verband hat Glück: der Vorsitzende Richter ist gleichzeitig in der Presseabteilung der Behörde tätig und kennt sich mit der Materie aus.
wird eine weitere Umstrukturierung der Mitgliedschaft abgeschlossen. Der DPV lässt nur noch Mitgliedschaften für jene Medienmacher zu, welche ihre hauptberuflich journalistische Tätigkeit nachweisen. Soll heißen: mehr als fünfzig Prozent des Einkommens müssen aus diesem Beruf kommen. Erneut ein harter Schnitt mit finanziellen Folgen: bestehende Mitglieder ohne Belege müssen den Verband leider verlassen.
Journalisten werden ständig mit rechtlichen Fragen konfrontiert. Recht am eigenen Bild, Privatsphäre, Datenschutz, Urheberrecht, Zitate... die Liste ist schier endlos. Deswegen etabliert der Verband im Folgejahr die Rechtsberatung, deren Leitung eine engagierte Justiziarin übernimmt. Es ist die erste spezielle Beratungsleistung, der aufgrund der großen Nachfrage weitere folgen sollen.
Es kann jeden Berichterstatter treffen: Streitigkeiten im Beruf, ein Rechtsstreit folgt, Gerichte werden bemüht. Das Ergebnis bleibt unkalkulierbar, dem einzelnen Kollegen entsteht ein hohes Kosten- und Prozessrisiko. Um die Folgen abzumildern, entwickelt der DPV 2001 eine Art Rechtschutzversicherung für neue Thematiken, die noch nicht von der Rechtsprechung abgedeckt sind – die Leistung „Grundsatzentscheidung“ entsteht. Der Berufsverband startet außerdem die Online-Datenbank Journalisten-im-Netz.de, über welche seitdem mit großem Erfolg Medienschaffende präsentiert werden.
In dieser Beziehung geht es Journalisten wie allen anderen Bürgern: das deutsche Steuerrecht ist unüberschaubar, ohne kompetente Beratung hat man es schwer. Der DPV beantwortet diese Herausforderung 2002 mit der Gründung der Steuerberatung. Im selben Jahr erscheint erstmalig die Publikation Journalist und Praxis, Vorläufer des heutigen Medienmagazins Journalistenblatt. Mit der Infobank startet der Verband eine frühere Form des Wissenstransfers im Internet.
Weil Freiberufler keine Einkaufsgenossenschaften oder Möglichkeiten zum Großhandelseinkauf haben, sind sie gegenüber anderen wirtschaftlich Handelnden benachteiligt. Deswegen initiierte der DPV im Jahr 2003 die Pressekonditionen, um die wirtschaftliche Situation der angeschlossenen Mitglieder zu verbessern.
Der DPV hat sich im Folgejahr mit über 8 000 Mitgliedern zur tariffreien Spitzenorganisation der hauptberuflich tätigen Journalisten entwickelt. Und tut auch etwas für das Verbandsbranding: er ermöglicht seinen Mitgliedern den Erwerb der exklusiven JournalistenCard. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Hochschulen wird die zu der Zeit einmalige MailZentrale entwickelt, welche Korrespondenten weltweit einen Kommunikationsvorteil verschafft. Der hauseigene Newsletter erscheint per Email und löst die Publikation Journalist und Praxis ab. Im Bereich Bildung kooperierte der Verband bisher ausschließlich mit anderen Institutionen; in diesem Jahr startet er mit eigenen Seminaren & Workshops.
Mit der Gründungsberatung wird 2005 weiterer Informationsbedarf von Publizisten analysiert und umgesetzt, um eine qualitative und quantitative Entwicklung der Branche zu fördern. Die Schriftenreihe „Wissen für Journalisten“ wird erheblich ausgeweitet und befasst sich mit Themen wie Pressefreiheit, Honorare und Gehälter, Branchen-Wettbewerbe oder die Zukunft der Medien.
Im Rahmen der Journalistenberatung geben speziell geschulte Kollegen Auskunft zu allen beruflichen Fragen und bieten damit einen exklusiven Kompetenzpool für die Themen, mit denen Journalisten in ihrer täglichen Arbeit konfrontiert werden. Vertreter der Innenministerkonferenz bescheinigten dem DPV 2006 die Erfüllung der seinerzeitigen Kriterien zur Ausstellung von Presseausweisen, welche eine Überprüfung der Ausweisinhaber hinsichtlich der Zugehörigkeit zur Presse erleichtern. Bereits vorab hatte der Verband gegenüber den Behörden eine freiwillige Selbstverpflichtung zur Einsicht der Mitgliedsunterlagen abgegeben – unter gewissenhafter Beachtung der datenschutzrechtlichen Bedingungen und teilanonymisiert. So bleiben die Abläufe transparent und nachvollziehbar und einen Presseausweis erhält nur, wer seine Profession als Journalist nachweist. Das Medienmagazin Journalistenblatt erscheint erstmalig, gemeinsam mit dem Medienmagazin Berliner Journalisten. Um die seit über einem Jahrzehnt forcierte Trennung von den Verlegern und seine Bestimmung als Journalistenverband auch nach außen besser zu dokumentieren, ergänzt der „DPV“ seine Bezeichnung und heißt seitdem DPV Deutscher Presse Verband – Verband für Journalisten e. V.
Die speziell für Journalisten ausgehandelten Bedingungen der Medienversorgung sichern die Branche inzwischen in vielen Bereichen ab. Mit dem Versicherungsschutz des Equipments von Fotografen heben sich die Bedingungen positiv vom Marktumfeld ab. Als persönliches Back-Up für Kollegen speziell in Krisengebieten werden die Notfall-Assistenz sowie der kostenlose Verleih von Schutzwesten ins Leben gerufen. Logische Konsequenz des Engagements für Auslandskorrespondenten: 2007 wird der Internationale Presseausweis eingeführt, um den Kollegen den Einsatz außerhalb Deutschlands zu erleichtern. Das 72-seitige Dokument gleicht in seiner Ausführung einem hochwertigen Reisepass, verfügt über zahlreiche Sicherheitsmerkmale und enthält alle Informationen in 40 Sprachen. Es ist bis heute in Form und Ausführung maßgeblich.
Im darauffolgenden Jahr wird auf Antrag des DPV eine Einstweilige Verfügung gegen einen „Verein“ erlassen, der in täuschender Absicht einen Namen verwendet, welcher bis auf einen Buchstaben deckungsgleich mit dem Verbandsnamen DPV Deutscher Presse Verband ist. Der echte DPV hingegen arbeitet auf zahlreichen Sitzungen und Kongressen in Kooperation beispielsweise mit Behörden, dem International Press Institute, Auswärtige Presse, Nominandum-Expertennetzwerk, Reporter ohne Grenzen, International News Safety Institute oder dem Bundesverband der Freien Berufe (BFB) mit. Das Medienmagazin Journalistenblatt wird gemeinsam mit der überregionalen Publikation Berliner Journalisten erneut exklusive Einlage auf der Medienwoche. Im weltweiten Kampf für die Pressefreiheit nehmen osteuropäische Journalisten mit wesentlicher Unterstützung des DPV an Sicherheitstrainings teil – das Fernsehen berichtete. Im Mai stehen die Mitarbeiter auf der Fachmesse tt 07, einem Projekt zur Förderung des Kulturjournalismus, für Fragen rund um das Thema zur Verfügung. Die Berufsorganisation geht mit einer eigenen Initiative gegen die dramatische Verschlechterung von Honorarbedingungen für freiberufliche Journalisten vor.
Der zweite Teil „DPV und bdfj im Einsatz für Journalisten“ beschäftigt sich in der kommenden Ausgabe u. a. mit der Entstehung der bdfj Bundesvereinigung der Fachjournalisten e. V.
... | in ihrer Geschäftsstelle bisher zehntausende von Journalistinnen und Journalisten persönlich, telefonisch oder schriftlich beraten. |
... | für ihre Mitglieder Prozessführung sowie Prozesskostenrisiko in einer drei stelligen Anzahl von Fällen im Rahmen der Grundsatzentscheidung übernommen. |
... | mehrere speziell auf die Presse- und Medienversorgung abgestimmte Versicherungsschutzformen entwickelt. |
... | bisher mehrere tausend Medienschaffende in der Datenbank www.Journalisten-imNetz.de präsentiert. |
... | in zahllosen Anfragen zu Steuern, Existenzgründung oder beruflichen Fragen Empfehlungen abgegeben. |
... | für Journalisten zahlreiche Stellungnahmen gegenüber den zuständigen Behörden abgegeben. |
... | in Publikationen wie den Presseratgebern, dem Medienmagazin Journalistenblatt oder in Newslettern Wissen für Journalisten vielfach zur Verfügung gestellt. |
... | in tausenden von Fällen kostenfreie Rechtsberatungen rund um Presse- und Medienrecht erteilt. |
... | Journalistinnen und Journalisten auf zahlreichen Workshops und Webinaren Branchenwissen vermittelt. |
... | sich in zahlreichen Gremien und Vorständen der Medienbranche engagiert und sich so schlagkräftig für alle Journalistinnen und Journalisten in Deutschland und auch international eingesetzt. |
Unter www.journalistenvertretung.de informieren die Berufsverbände zu Nutzen & Service und unter www.berufsvertretung.de über das Engagement für die Medienbranche. Das Team des DPV und bdfj freut sich auf Ihren Anruf oder Besuch in der Geschäftsstelle, um Sie zu unterstützen!